J.F. Hooper, Berlin 2010
J.F. Hooper, Berlin 2010

EIN PFAU, DER FLIEGEN LERNTE FÜR EIN INTERVIEW MIT DEM MONTHLY CRONICLE BEGAB SICH J.F.HOOPER AUF DIE ANDERE SEITE UND BEANTWORTETE KARL GUNTHER SAHNESTEIF FRAGEN ZU SEINEM BEWEGTEN LEBEN

KARL GUNTHER SAHNESTEIF

-berlin 2010-

Sahnesteif: Herr Hooper, wir führen diese Unterhaltung auf Deutsch, obwohl Sie US-Amerikaner sind. Nun sind die Amerikaner ja nicht gerade bekannt für ihr Sprachtalent. Warum ist das bei Ihnen anders?

Hooper: Nun, zunächst einmal würde ich sagen, dass ich überdurchschnittlich intelligent bin. Was eventuell auch eine Rolle spielt, ist außerdem die Tatsache, dass ich in Bismarck, Nebraska, aufwuchs. Dort hatte ich zweisprachigen Unterricht. Physik, Chemie und Geschichte wurden auf Deutsch unterrichtet- von einem gewissen Oberhauptschulassessor Raimund Hinkel.

Sahnesteif: Wirklich beeindruckend, James. Ich darf Sie doch so nennen?

Hooper: Nicht im Geringsten. So nennt mich nicht einmal meine Frau.

Sahnesteif: Dann entschuldigen Sie vielmals. Also, Sie wurden 1954 geboren, lebten bis 1979 in den Staaten und wanderten schließlich nach Deutschland aus. Warum?

Hooper: Ich schätze die Staaten und ich, das passt einfach nicht zusammen! 1959 wurde ich das erste Mal wegen Drogenbesitzes festgenommen, da war ich noch nicht einmal 10! Dieses Spiel wiederholte sich noch zwei weitere Male- ich wurde von Amerika immer wieder zum Verbrechen verführt…

Sahnesteif: Von Amerika?

Hooper: Von der Gesellschaft, nennen Sie es, wie Sie wollen. Ich konnte jedenfalls nichts dazu!

Sahnesteif: Wie meinen Sie das?

Hooper: Das war ganz perfide. Zum Beispiel Chicago, 1963, mein 9. Geburtstag. Ich war unterwegs mit ein paar Crack-Broes, da sehen wir eine Streife an der Ecke 3rd Ave und Montgomery. Das war doch kein Zufall, sondern ein klarer Fall von Provokation! Wir gingen also in die nächste Opium-Höhle, den XU LLING LU [A.d.R:  Leuchtender Samariter], und dröhnten uns voll- aus Protest, versteht sich! Als wir anschließend einen Wasser-Hydranten auf die Windschutzscheibe der Bullen warfen, rasteten die vollkommen grundlos aus und verhafteten uns. Ich wanderte für 2 Jahre ins Kittchen- dabei war der Fahrer der Streife nicht mal lebensgefährlich verletzt! So, das ist Amerika! Von wegen Land der unbegrenzten Möglichkeiten?

Sahnesteif: Interessante Einstellung! Jedenfalls erschien Ihnen darauf hin die Emigration als einzige Lösung?

Hooper: Hören Sie überhaupt zu, wenn ich eine Geschichte erzähle?  Ich sagte doch, dass ich drei Mal im Knast war! 1976, ich war gerade Vater eines kleinen James Fenimore Jr. geworden …

Sahnesteif: Ihr 6. Kind mit 22 Jahren….

Hooper [führt Sahnesteif in den Schellenwald]: So, kann ich jetzt endlich einmal ohne dämliche Bemerkungen ausreden?!

Also, 76, wir hatten nen riesen Ding am Laufen. Unsere Gang, die Bing Bong Broes, mischten dieser Tage die gesamte Sport-Wetten-Szene New York Citys auf, indem wir einen völlig neuen Wettsport auf dem Markt installierten…

Sahnesteif: Das sogenannte Ballers-Smacking?

Hooper: Korrekt! Es ging darum, auf Flitzer zu wetten, die während eines Heimspieles der N.Y. Nicks aufs Feld laufen würden, um einem Spieler des Gästeteams einen saftigen Hand-Kanten-Schlag zu verpassen.

Sahnesteif: Das entwickelte sich zu einer regelrechten Obsession bei den Nicks-Fans! Ca. 400 Vorfälle alleine in der Saison 77/78- dabei hatten die Nicks nicht einmal die Play-Offs erreicht!

Hooper: Ganz genau! Und für jeden Smacker erhielt ich umgerechnet rund 35 €. Das war schon eine Stange Geld in diesen Tagen!

Sahnesteif: Und warum ging es dann ins Ausland?

Hooper: Wie gesagt, 78 lief alles bestens. Doch dann wurde ich von den eigenen Leuten verraten. Sie benutzten mich als Sündenbock- ich schätze, weil ich Ihnen zu intelligent erschien! Ich wanderte erneut ins Kittchen.

Sahnesteif: Zu intelligent?

Hooper: Was soll die dumme Frage? Ich bin Brillenträger und  man weiß doch spätestens seit Kambodscha, was mit uns Intelligenten passiert? Man macht uns fertig, wo man nur kann!

Sahnesteif: Ich verstehe, und daraus zogen Sie dann Ihre Schlüsse?

Hooper: Ja, im Knast, 78 in St. Quentin, traf ich einen Country-Heini mit viel Cash, der mir die Augen öffnete. Er sang damals immerzu einen Song über eine zerrüttete Vater-Sohn Beziehung, die sich jedoch zum Ende hin wieder verbesserte.

Sahnesteif: Und da dachten Sie an Ihren Vater?

Hooper: Genau. Ich war erst 4, als er von uns ging. Wir hatten uns gerade gestritten, weil ich nicht, wie von ihm verlangt, um 23 Uhr zu Hause sein wollte. Ich meine, es war Freitagabend- Club Night! Verstehen Sie? Club Night! Wie auch immer- ein paar Stunden später verstarb er an akuter Kurzsichtigkeit. Er war Schriftsteller, das ging ihm mächtig auf die Augen.

Sahnesteif: Er  starb an Kurzsichtigkeit?

Hooper: Ja! Probleme damit?

Sahnesteif: Nein, Nein. Wie beeinflusste diese Erinnerung ihre Emigrationsentscheidung?

Hooper: Na ja, ich entschied, ebenfalls Schriftsteller zu werden. Ich wollte ins Land der Dichter und Denker, nach Deutschland, und über das Schreiben, was ich liebte, Entertainment und Basketball.

Sahnesteif: Doch anfangs hatten Sie nicht viel Erfolg. Bis 1996, als Sie für ein Jahr in die Staaten zurückkehrten, schrieben Sie für das Vereinsblatt von Brand Hagen. Doch die stiegen ab, und man behauptet, nicht zuletzt wegen Ihrer reißerischen Berichterstattung?!

Hooper: Ganz klar. Damals war ich noch nicht soweit, das gebe ich offen zu. Es war außerdem nicht richtig von mir, Keith Gatlin  öffentlich der Drogensucht zu bezichtigen, nur weil er mich auf der Weihnachtsfeier 1995 nicht gegrüßt hatte. Aber wie sagt man so schön: Nobody is perfect. Und das galt früher auch für mich.

Sahnesteif: Ich bewundere Ihre Offenheit…

Hooper: Schleimen Sie einen anderen voll!

Sahnesteif: Warum sind Sie 1996 noch einmal zurück nach Amerika gegangen und dann wiederum nach einem halben Jahr nach Deutschland zurückgekehrt?

Hooper: Das war eine blöde Geschichte. Die 1990er- HipHop war mächtig im Kommen und mein Freund aus alten Zeiten, er nannte sich seinerzeit LIL Lindworm, bot mir eine Hauptrolle in einem neuen smash-hit an, durch die ich berühmt werden sollte. Also ging ich.

Sahnesteif: Aber Sie wurden nicht berühmt!

Hooper: Zumindest nicht wirklich. Es stellte sich bald heraus, dass ich nur eine Statisten-Nebenrolle bekleiden würde. Der Song wurde performt von Skee Lo. Sie wissen schon, er hieß „I wish I was a little bit taller“. Ich war der Tänzer, der bei der Streetball-Szene im Refrain auf der Tribüne Break-Dance macht und einen Ball auf den Kopf kriegt. Kein anspruchsloser Dreh, nebenbei bemerkt!

Nach Produktionsende klärte ich einige finanzielle Fragen, packte meine 7 Sachen und ging zurück nach Deutschland.

Sahnesteif:  Warum?

Hooper: Ich hatte diesen Plan. Ich wollte eine richtige Schule besuchen. Also ging ich nach Erlangen und schrieb mich beim Sankt Hubertus Gymnasium ein. Dort machte ich mein Abitur.

Sahnesteif: All die Jahre?

Hooper: Ja, die vollen 15 Jahre.

Sahnesteif: Nach der Hochschulreife wirkten Sie verändert. Ihre Schreibe schien plötzlich so revolutionär? Gab es ein Schlüsselereignis?

Hooper: Ja, in der 11. Klasse. Das war 2006, wir lasen gerade „Die Leiden des Jungen Werther“ von Goethe- ein famoses, geradezu abnormes Buch. Da dachte ich mir, hey, erstens gibt es immer wieder Leute, denen es noch schlechter geht als mir, die bringen sich sogar selber um. Und zweitens – langweiliger schreiben als Goethe im Werther kann ja keiner! Das motivierte mich ungemein!

Sahnesteif: 2009 traten Sie ein Volontariat beim Tropical Sports Illustrated an, wurden ob der großen Erfolge Ihrer Artikel als Fern-Korrespondent der N.Y. Times engagiert und bekamen in der vergangenen Saison den heiß begehrten POO LIZA Preis für die beste Sportberichterstattung weltweit verliehen. Wie fühlen Sie sich heute? Und was sind Ihre Ziele für die Zukunft?

 

Hooper: Wissen Sie, ein berühmter Intellektueller aus Österreich sagte…..

Sahnesteif: Freud?

Hooper: Nein, also ein…

Sahnesteif: Robert Musil?

Hooper: Nein verdammt! Also, Arnold Schwarzenegger sagte einmal den weisen Satz „I`ll be back“, was auf Deutsch soviel heißt wie „Junge, man sieht sich immer zwei Mal im Leben. Und dann, wenn es klatscht, dann klatscht es“

Ich bin jetzt sozusagen nach diesem Wiedersehen. Ich habe es allen bewiesen und bin glücklich, mit den Tropics ein Team gefunden zu haben, das sowohl sportlich als auch in Sachen Entertainment  zu überzeugen weiß. Ich habe mit den Würzburgern einen Vertrag bis 2013 und danach, so sieht es aus, gehe ich in die Politik.

Sahnesteif: Wie kommen Sie zu diesem Entschluss?

Hooper: Ich will helfen. Vor allem den Kindern. Sie sollen nicht in solch schlechten Verhältnissen aufwachsen wie ich. Das ist meine Agenda.

Sahnesteif: Herr Hooper, vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg für Ihre Zukunft.