TG Würzburg nach der Gründung

Die ersten Übungsstätten nach der Gründung der TGW im Jahre 1848 befanden sich in verschiedenen Höfen, Gärten und Lokalen der Stadt. Die Gründungsversammlung am 18. Mai 1848 fand im Cafe Klinger auf der Domstraße (jetzt Kaufhaus Schlier) statt. In den ersten Jahren 1848 bis 1853 verkehrten die Turner erst im Hause des Joh. Bapt. Scherpf, Rittergasse 320, III. Distrikt, später im Bachsgarten und im Cafe Windischmann (später Bayerisches Cafehaus), Augustinerstraße.

Nach den Verbotsjahren wurde die turnerische Tätigkeit ab 1861 während des Winters in das Lokal des Bayerischen Cafehauses und während des Sommers in den Hof des Lackierers Primavesi (Ecke Kaserngasse und Untere Johannitergasse) verlegt. Schon 1860 veranstaltete die der TGW angeschlossene Freiwillige Feuerwehr Schauturnen auf dem Walle (am sog. Teufelstor Ende der Semmelstraße).

Nach der Wiedererrichtung der TGW 1861 ließ der Stadtmagistrat den ehemaligen „Kastenboden" in der Korngasse Nr. 4 als städtische Turnhalle einrichten und der damalige Würzburger Bürgermeister Hopferstädter übergab sie am 26. 10. 1862 nach Anstimmung des Liedes „Turner auf zum Streite" der Turngemeinde und der Freiwilligen Feuerwehr als Übungsstätte.

Die Stadt überließ dann 1886 der bereits über 800 Mitglieder zählenden Turngemeinde das alte Schießhaus. Der damalige Vorstand Hellbach kaufte für die TGW ein großes Anwesen mit ca. 3000 qm zwischen Schießhaus- und Huttenstraße für 23 000 Mark trotz mancher Bedenken des Turnrats, der eine Übungsstätte jenseits des damals bestehenden Wallgrabens für zu weit entfernt hielt. Am 19. 10. 1886 konnte die von Architekt Ostberg geplante neue Turnhalle (die größte der Stadt) an der Huttenstraße eingeweiht werden. Sie kostete rund 55 000 Mark, wovon die Aktiven 10 000 Mark aufbrachten.

Am 19. 10. 1907 wurde das an der Schießhausstraße nach den Entwürfen von Architekt Spiegel mit einem Kostenaufwand von rund 60 000 Mark erbaute Vereinshaus eingeweiht. Auf besondere Anregung unseres Turnbruders Heribert Faltenbacher (Faltes) wurde die Riedinsel auf damals Heidingsfelder Gemarkung für Luft- und Wasserbader und als Turnplatz gepachtet und am 20. 6. 1913 mit einem Inselfest eröffnet. Nach dem ersten Weltkrieg wurde auf Anregung von „Faltes", dem damaligen Vorsitzenden der Sportabteilung, die alte Radrennbahn auf dem Kugelfang gepachtet. Ebenso wurde die Tennisplatzanlage an der Mergentheimer Straße vom Würzburger Sportclub übernommen, aber alsbald wieder an den aus der TGW ausscheidenden Club, der sich dann „Tennisclub „Weiß-Blau" nannte, übergeben. Vorübergehend gehörte der TGW auch der Sportplatz des „Fußballverein 04" an der Frankfurter Straße, nachdem sich dieser im Juli 1920 der TGW angeschlossen hatte, bald aber, 1922, sich wieder selbständig machte. Der im März 1927 gegründeten Handballabteilung der TGW konnte als Sportplatz von der Stadt das vor der Riedinsel an der Heidingsfelder Brücke gelegene Gelände der "Schweinauer Wiesen" zur Verfügung gestellt werden. Bald musste jedoch dieses Gelände als Wassereinzugsgebiet gesperrt werden und die von der TGW investierten Gelder gingen ohne Entschädigung verloren. Als Ersatz wurde von der Stadt und dem Teilgrundbesitzer Würzburger Hofbräu AG ein Gelände unterhalb der Steinbachtalfähre überlassen. Für die Platzanlage (700 m Dränage, 18 000 qm Planierung, 100 m Aschenbahn, Wasserleitung, Einzäunung mit Umkleidehalle) brachte die TGW aus eigenen Mitteln 25 000 Mark auf. Die Faltboot-Abteilung der TGW errichtete unterhalb der Löwenbrücke eine Bootshalle.

Am 16. März 1945 wurden alle Anlagen der TGW im Wert von über einer halben Million Mark zerstört oder verwüstet.

In den Jahren 1949 bis 1954 wurden dank des Einsatzes unseres ersten Vorsitzenden Otto Stein wiederaufgebaut:

1. Das Vereinshaus an der Schießhausstraße (teilweise) mit einer kleinen Turnhalle (der ersten nach der Kriegszerstörung in der Stadt wiederaufgebauten).

2. Der große Sportplatz an der Mergentheimer Straße (über 20 000 qm) mit 6x400-m Laufbahnen und allen Einrichtungen für sämtliche Leichtathletik-Disziplinen (der größte Sportplatz der Stadt).

3. Das Umkleidehaus mit Jugendheim und Platzwartwohnung an der Mergentheimer Straße. (Die Eigentumsrechte an Sportplatz und Umkleidehaus mussten der Stadt überlassen werden, da der Stadtrat fast ausschließlich die hohen Kosten des Wiederaufbaus übernommen hatte und außerdem die sehr beträchtlichen laufenden Unterhaltskosten der Gesamtanlage trägt. Sportplatz und Umkleidehaus stehen jedoch vereinbarungsgemäß an allen Wochentagen ab 18 Uhr und am Wochenende ganztägig der TGW ausschließlich zur Verfügung.)

4. Der neue Rollschuhsportplatz, herrlich am Main unweit der Löwenbrücke gelegen, der mit einem Kostenaufwand von über 20 000 DM, wozu die Stadt ein Darlehen von 12 000 DM gab, aufgebaut wurde. Außerdem baute die TGW aus eigenen Mitteln das zum Rollschuhplatz gehörige Umkleidehaus auf; dieser Aufbau gelang durch die große persönliche Hilfe unseres Toni Hinterberger.

Der Aufbau der neuen großen Turn- und Spielhalle soll der Schlussstein im Wiederaufbau der Sportanlagen unserer TGW sein.  

Unsere neue Turn- und Sporthalle

An einem schönen Vorfrühlingstag des Jahres 1947, kurz nach meiner Wahl zum ersten Vorsitzenden der TGW, stand das kleine Häuflein des damaligen Turnrats, fünf an der Zahl, tieferschüttert auf den Ruinen der leergebrannten Vereinsanwesen an der Huttenstraße und Schießhausstraße. Was Generationen von Turnern in hundert Jahren mit Opfermut, Fleiß und Liebe aufgebaut hatten, war in einer Bombennacht in Trümmer gelegt worden.

Zerstört war bis auf die zerfetzten und abbröckelnden Außenmauern die ehemals große Turnhalle der Stadt an der Huttenstraße. Total zerstört bis auf das Kellergeschoß war das einst so prächtige Gesellschaftshaus an der Schießhausstraße. Dazwischen war der ehemalige große Turnhof ein wüster Haufen schwerer Betonbrocken, der nach Sprengung der während des Krieges angelegten großen Luftschutzbunker übriggeblieben war. Verwüstet war auch durch den Lastwagenpark der Besatzungsmacht der idyllisch am Main gelegene große Sportplatz der TGW an der Mergentheimer Straße mit Umkleidehaus. Weggewischt war der Kanuplatz mit Bootunterstellraumen an der Löwenbrücke.

Wie, wo und mit was nunmehr anfangen, das war die schwere Frage, die sich unser kleines Turnratshäuflein stellen musste. Nicht nur die materiellen Werte waren vernichtet, auch die Mitglieder der TGW waren in alle Winde zerstreut, und unter dem Druck der törichten Lizenzierungsbestimmungen der Besatzungsmacht waren vorläufig nur wenige bereit, mitzuarbeiten. Als erste Aktion wurden alle verfügbaren Mitglieder - sie waren durchwegs nur aus den älteren Jahrgängen - zusammengetrommelt und es wurde der Versuch gemacht, die große Turnhalle zu entschutten und den verwüsteten Turnhof einzuebnen. Durch einen gerichtlichen Vergleich mit der „Star"-Kugellagerfabrik, die im Kriege die Betonunterstände im Turnhof gebaut hatte, konnte erreicht werden, dass diese Firma die wesentlichsten Kosten für die Entschuttung und Einplanierung des Turnhofes übernahm. Wir beschlossen damals, die große Turnhalle an der Huttenstraße wieder aufzubauen und das ebenfalls zerstörte Gesellschaftshaus an der Schießhausstraße vorläufig stehenzulassen. Ich bemühte mich im Sommer 1947 um ein Ausgleichsdarlehen vom Bayerischen Staat. Die Verhandlungen zogen sich jedoch bis Winter 1947/48 hin, und erst im Frühjahr 1948 erhielten wir die grundsätzliche Zusage für ein Darlehen von 250 000 Reichsmark, das entsprechend dem Baufortschritt ausbezahlt werden sollte.

Die ersten Pläne für den Wiederaufbau der Turnhalle an der Huttenstraße mit anschließendem Wohnhausbau wurden von unserem alten Mitglied, städt. Bauamtmann Karl Böhler, gefertigt, dem Stadtrat eingereicht und auch genehmigt. Dieser Plan sah zwei Turnhallen übereinander angeordnet auf dem alten Grundriss der zerstörten Turnhalle unter möglichster Verwendung der noch brauchbaren Mauerreste vor. Eine schwere Träger- und Dachkonstruktion sollte eingebaut werden, Haupteingang von der Huttenstraße mit kleinem Fechtsaal, Turnratszimmer, Garderobe und im zweiten Stock Wohnräume.

Wir liefen uns die Sohlen ab, um eine Baufirma zu finden, die den Bau übernehmen wollte, jedoch vergeblich, denn alle maßgebenden Baufirmen standen damals unter Treuhänderschaft und waren nicht aktionsfähig. Im Übrigen war das Baumaterial mit Idealismus und Ehre nicht zu kompensieren. Einzig die schwere Eisenkonstruktion für die zwei projektierten Turnhallen mit Dachbindern konnte der Fa. Georg Noell & Co. in Auftrag gegeben werden, sie wurde auch geliefert und aus der ersten Rate des Staatsdarlehens bezahlt.

Am Tage vor der Währungsreform, am 20. 6. 1948, wurde dann plötzlich drahtlich ohne weitere Formalitaten vom Bayerischen Staat die ganze restliche Darlehenssumme überwiesen, da sie ansonsten beim Staat mit der Währungsreform untergegangen wäre. Uns verblieben nach der Abwertung noch 14 600 DM als Schuld an den Bayerischen Staat. Mit diesem verbliebenen DM-Betrag konnten wir, auch in Anbetracht der sonstigen Geldknappheit, vorläufig an der Weiterführung unseres großen Turnhallenbaues nicht mehr denken.

Wir mussten uns schließlich dazu entschließen, mit den verbliebenen Eigenmitteln, einem Zuschlag des BLSV und einem bei der Stadtischen Sparkasse aufgenommenen Darlehen vor 40 000 DM das ehemalige Gesellschaftshaus an der Schießhausstraße für den neuen Zweck wieder aufzubauen durch Einrichtung von zwei großen Gastzimmern und den dazugehörigen Wirtschaftsräumen im Souterrain, einer kleinen Turnhalle mit ca. 230 qm im ersten Stock, zwei Umkleideräumen im zweiten Stock und einer Wirtswohnung mit Lager und Garderoberaumen im Dachgeschoß. Eine besondere Hilfe gewährte die alte Gönnerin der TGW, die Fa. Georg Noell & Co., durch kostenlose Übernahme der Eisenkonstruktionsarbeiten. Jedenfalls war unsere am 23. Oktober 1949 in Betrieb genommene kleine Turnhalle die erste wiederaufgebaute in der Stadt nach der Totalzerstörung. Die Bauarbeiten überwachte als Vorstand des Bauausschusses unser alter Ehrenoberturnwart Franz Heinlein mit bewährter Tatkraft. Die Plane fertigte unser Karl Böhler.

In den folgenden Jahren mussten wir uns mit dieser kleinen Turnhalle behelfen und verlegten unsere Aufbauarbeit vorläufig auf die Wiederinstandsetzung des alten TGW-Sportplatzes an der Mergentheimer Straße, der mit wesentlicher Hilfe der Stadt zum größten und modernsten Sportplatz Würzburgs ausgebaut wurde. Ferner wurde von uns der schöne Rollschuhplatz an der Löwenbrücke auf dem alten, von uns übernommenen WRV-Gelände erbaut. Beide Anlagen werden mit den zugehörigen Umkleide-, Wasch- und Toilettenräumen versehen.

Erst das hochherzige Vermächtnis unseres im Jahre 1954 verstorbenen Ehrenmitglieds Georg Graßer, der ohne leibliche Erben seine geliebte TGW als Nacherbin seiner Gattin, die 1956 ebenfalls verstarb, mit einem Drittel seines Vermögens einsetzte, wurde der finanzielle Grundstock geschaffen, der es ermöglichte, den großen Turnhallenbau wieder in Angriff zu nehmen.

Es erhob sich zuerst die Frage, ob der alte, bereits 1949 vom Stadtrat genehmigte Aufbauplan nun realisiert werden sollte. Die noch vorhandene schwere Eisenkonstruktion mit Dachbindern für zwei übereinandergelegene Hallen verführte dazu, den alten Plan wieder aufzugreifen. Man dachte auch daran, die Wirtschaftsräume in den Bau an der Huttenstraße zu verlegen und gegebenenfalls das Anwesen an der Schießhausstraße mit der Behelfsturnhalle abzustoßen oder so zu vermieten, dass mit dem Reinertrag der Schuldendienst für ein größeres Darlehen zum Aufbau in der Huttenstraße gedeckt werden konnte. Die Meinungen im Turnrat gingen sehr auseinander. Ich selbst hielt den Aufbau von zwei getrennten Normalturnhallen nach der Entwicklung des modernen Sports vom reinen Geräteturnen zu den verschiedenartigsten Spielsparten für unzweckmäßig. Ich setzte mich daher zuerst dafür ein, dass von dem Bau zweier Turnhallen übereinander angeordnet trotz der dafür vorhandenen Eisenkonstruktion Abstand genommen und dafür der alte Turnhallengrundriss nach Westen hin so weit verlängert wird, dass zwei Turnhallen auf gleicher Ebene hintereinander geordnet entstehen, zusammengefasst also zu einer großen Sporthalle, groß genug zur Durchführung aller Hallenspiele und Leichtathletik-Disziplinen. Nach näherer Prüfung und nach eingehender Beratung mit den Bauleuten, insbesondere auch mit dem städtischen Baudirektor Schlick, musste diese Lösung verworfen werden, da wegen des zu den Nachbarn an der Huttenstraße einzuhaltenden Grenzabstandes die Halle in der Breite nicht erweitert werden konnte; was unumgänglich gewesen wäre. Im Übrigen hatte die Verwendung der alten Mauerreste auf dem alten Grundriss keinen modernen Hallenaufbau ermöglicht.

Aus allen diesen Erwägungen machte ich dem Turnrat den Vorschlag, die Ruinenreste der alten Turnhalle an der Huttenstraße vorläufig liegenzulassen und unter Ausnutzung der vollen Breite von 23,5 Meter des Turnhofs in diesen zwei Normalturnhallen, hintereinander geordnet, zusammengefasst als große Sporthalle vollkommen neu nach modernen Gesichtspunkten zu erstellen. Meine Grundkonzeption war ein große freitragende Halle von 23 Metern Breite und ursprünglich 52 Meter Länge, in welcher an der Westseite in 10 Meter Tiefe Umkleide-, Wasch- und Toilettenraume etc. in der Höhe des Hallenbodens eingebaut werden sollten, so dass dann über diesen Raumen noch eine offene Hallengalerie entsteht, die in Größe von rund 230 Quadratmetern als weitere Übungsfläche mit Asphaltboden und bei Großveranstaltungen als Zuschauertribüne Verwendung finden könne.

Dieser große Gebäudekomplex sollte dann, lediglich getrennt durch einen kleinen Ehrenhof - auch als Sommergaststätte zu verwenden -, mit dem Gesellschaftshaus an der Schießhausstraße und der bisherigen kleinen Turnhalle durch ein gemeinsames Treppenhaus verbunden werden, Haupteingang von der Schießhausstraße.

Nach meiner Konzeption wurde dann vom städtischen Bauamt am 4. 4. 1957 ein Plan gefertigt, der nach längeren Beratungen, in welche sich nun unser alter TGW-Freund, städtischer Bauamtmann Karl Böhler, fachkundig einschaltete, in folgenden Punkten modifiziert wurde:

1. Die vorgesehenen-hallenbodengleichen Nebenräume werden voll unterkellert, so dass die ursprünglich für die Umkleide-, Wasch- und Toilettenräume, Heizung und Geräteraum vorgesehene Fläche verdoppelt und damit reichlich bemessen werden konnte. Die dadurch entstehende Baukostensteigerung musste riskiert werden.

2. Unter der großen Halle werden längs des Nordteils auf besondere Anregung der Turnbrüder Toni Hinterberger und Karl Böhler zwei sportgerechte Kegelbahnen eingebaut, zu deren zusätzlichen Baufinanzierung sich vorläufig die Würzburger Hofbräu AG verpflichtete.

3. Die Gesamtlänge der Halle wurde auf Anregung der Beratungsstelle für Turnhallenbau in München um 4 Meter auf 48 Meter Länge, d. h. 38 Meter Länge der großen Sporthalle und 10 Meter der Galeriehalle beschnitten, da uns versichert wurde, dass auch diese Größe für die Durchführung aller sportgerechten Hallenspiele ausreichen würde und außerdem eine nicht unbeträchtliche Baukostenersparung erzielt werden könne.

Auf unseren Antrag vom 16. 1. 1957 hatte der Stadtrat am 13. 2. 1957 beschlossen, die Kosten für die Planungsarbeiten, die Bauüberwachung zu übernehmen. Nach Erstellung der ersten Planskizze durch das Städtische Hochbauamt übernahm jedoch nun unser alter Turnfreund Karl Böhler als Architekt die weitere Bauplanung, die Bauausschreibungen und die Bauüberwachung. Unser Karl Böhler wurde damit der verantwortliche Architekt für das weitere Baugeschehen.

In hochherziger Weise erklärte unser Freund Böhler, aus alter Anhänglichkeit an seine TGW diese sehr umfangreichen Architektenarbeiten völlig kostenlos für den Verein zu übernehmen. Mit dieser Erklärung hat Karl Böhler seiner TGW eine Stiftung in Höhe einer fünf-stelligen Summe gemacht und rückt dadurch mit an die Spitze unserer Gönner. Freund Böhler stellte am 15. 11. 1957 einen detaillierten Kostenvoranschlag auf, der mit einer gesamten Baukostensumme von 448 000 DM abschloss. Zur Finanzierung dieser Summe stellte ich einen detaillierten Plan auf, der eine Deckung ermöglichte, allerdings unter Anspannung aller nur ausschöpfbaren Geldquellen. Als Grundstock diente nach wie vor das Vermächtnis unseres Ehrenmitglieds Georg Graßer, das mit rund 56 000 DM realisiert werden konnte, davon allerdings rund 26 000 DM erst in zehn Jahresraten ab 1. 1. 1959. Auf unseren Antrag erhielten wir von der LVA Unterfranken am 7. 12. 1957 die Mitteilung, dass der Vorstand der Gesellschaft beschlossen hatte, der Stadt Würzburg ein Darlehen von 150 000 DM zu geben mit der Maßgabe, dass dieser Betrag von der Stadt an die TGW zur Errichtung einer Turnhalle weitergegeben wurde. Für die Vermittlung dieses großen Darlehens gebührt dem für die Belange der Leibesübungen besonders aufgeschlossenen Direktor der LVA Unterfranken, Herrn Dr. Dr. Wahl, und seinem Adlatus, unserem Turnfreund Amtmann Blanz, besonderer Dank.

Nach persönlicher Vorsprache einer Delegation unserer TGW am 24. Oktober 1957 beim Bayerischen Kultusministerium in München und bei der Geschäftsführung des BLSV erhielten wir am 4. 11. 1957 die Mitteilung, dass das Präsidium des BLSV beschlossen habe, der Totokommission vorzuschlagen, für die TGW einen Zuschuss von 20 000 DM und ein Darlehen von 30 000 DM zu gewähren. Mit Schreiben vom 12. 6. 1958 hat dann der BLSV die Genehmigung der beantragten Zuteilung mitgeteilt. Auf unseren Antrag erhielten wir dann am 8. 5. 1959 vom BLSV für unsere Geräteausstattung nochmals einen Zuschuss von 9000 DM, der auf unsere wiederholten Vorstellungen auf 11000 DM erhöht wurde. Am 19. November 1957 stellten wir beim Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus den Antrag, uns aus Bundesmitteln einen Zuschuss oder ein Darlehen in Höhe von 80 000 DM zu vermitteln, und zwar nach den Richtlinien des Herrn Bundesministers des Innern, veröffentlicht im Ministerialblatt vom 15. 8. 1957. Dieser Antrag konnte aus Mitteln des Haushalts 1957 leider nicht mehr berücksichtigt werden. Wir erneuerten daher den Antrag unter Vorlage sehr umfangreicher Unterlagen am 5. 11. 1958 über die Regierung von Unterfranken, die für die Verteilung dieser Mittel zuständig geworden war. Nach vielen schriftlichen und persönlichen Vorstellungen erreichten wir dann gegen manche Widerstände, dass der TGW aus Bundesmitteln ein verlorener Zuschuss von 70 000 DM bewilligt und ausbezahlt wurde. Für diese Vermittlung gebührt dem Regierungspräsidenten von Unterfranken, Herrn Prof. Dr. Josef Hölzl, und seinen Mitarbeitern herzlicher Dank.

Der Stadtrat Würzburg genehmigte im November 1958 eine Holzspende von 25 000 DM, ferner für die Übernahme der Vorplanungsarbeiten und für die Bauüberwachung 10 000 DM und für Erlass von drei Prozent der Baugebühren 3000 DM. Einen weiteren Zuschuss von 5000 DM genehmigte der Stadtrat am 13. 3. 1959 für die Geräteausstattung. Dem Stadtrat, dem Herrn Oberbürgermeister Dr. H. Zimmerer und dem Sportreferenten Bürgermeister Ph. Fasel mit seinem Mitarbeiter Dipl.-Sportlehrer Ludewig, ferner den Mithelfern aus der Stadtverwaltung, Herrn Baudirektor Schlick mit seinen Mitarbeitern, den Herren Christ und Christner, sowie Herrn Baudirektor Hoppe, für diese gute Unterstützung sei herzlichster Dank gesagt.

Ein Sonderdank gebührt auch der hier stationierten amerikanischen Armeeeinheit, die durch ihre Spezialtruppe kostenlos den Baugrundaushub mit Entfernung der unter dem Baugelände noch lagernden Betonklötze übernommen hatte.

Die außerordentliche Mitgliederversammlung der TGW fasste am 10. Januar 1958 einstimmig satzungsgemäß die für den Bau der neuen Turn- und Sporthalle notwendigen Beschlüsse.

Am 23. März 1958 konnte in Anwesenheit der drei Bürgermeister der Stadt und sonstiger Ehrengäste die feierliche Grundsteinlegung vorgenommen werden. Nach den üblichen drei Hammerschlägen wurde eine von unserem Turnbruder Fritz Meister gestiftete Kassette mit dem Buch „Würzburg 1945-1955", mit Tageszeitungen, Festschriften, Vereinszeitung und einer besonderen Urkunde eingemauert. Der Beginn der Bauarbeiten verzögerte sich leider durch verschiedene widrige Umstände, so dass erst am 28. 11. 1958 das Richtfest im engsten Kreise der Bauleute gefeiert werden konnte.

Der Bauausschuss, bestehend aus den Turnbrüdern Stein, Hinterberger, Böhler, Kolbenschlag, Blanz, Henn, Faltenbacher, Feder, Meister, Simon unter Hinzuziehung von Fachleuten befasste sich in vierzehntägig stattgefundenen Sitzungen eingehend mit allen Einzelheiten der Bauausführung und beschloss die Vergebung der Bauarbeiten.

Dank sagen wir auch Herrn Dipl.-Ing. Thomas und unserem Tbr. Dorsch vom TÜV für die Beratung in der schwierigen Beheizungsfrage.

Alle diese im Bauausschuss unermüdlich mitarbeitenden Turnbrüder, denen auch unser verdienter Kassenwart Fritz Fischer zugezählt werden muss, haben sich unvergängliche Verdienste um die TGW erworben.

Leider stellte es sich im Laufe der Bauausführung heraus, dass eine Reihe von Positionen des Kostenvoranschlags überschritten werden mussten und zusätzlich eine weitere Reihe von ursprünglich nicht vorgesehenen Baumaßnahmen teils zwangsläufig sich als notwendig ergaben, teils besonders noch empfehlenswert waren.

Den Stadtwerken wurde gegen Übernahme der Kosten und der Haftung die Genehmigung zur vorsorglichen Legung einer Dampfheizungszuleitung unter unserem Luftheizungskanal längs der neuen Turnhalle erteilt, um später einmal den Anschluss an das städtische Fernheizungsnetz zu ermöglichen.

Wir mussten uns nach langen Beratungen auch entschließen, die Verhältnisse in unseren Wirtschaftsräumen an der Schießhausstraße grundlegend zu verbessern. Es wurden eingebaut bzw. errichtet: eine Küche mit neuem, großem Herd, eine Wurstküche, Vorratsräume für den Wirt, ein Spül- und Lagerraum, zwei große komplette Kühlzellen für Fleisch und Getränke. Die Toiletten wurden verbessert und renoviert. Außerdem wurde der Haupteingang zur Gaststatte verlegt, im alten Eingang eine Gassenschenke eingebaut, der nur für Mitglieder bestimmte Gastraum (Bauernstube) abgetrennt und der Galerieraum der bisherigen kleinen Turnhalle zu einem weiteren Gastraum, besonders für unsere Abteilungen und unsere Jugend bestimmt, abgetrennt und ausgestaltet.

Allen am Bau beteiligten Firmen und Handwerkern, die sich in der Hauptsache aus alten Mitgliedern unserer TGW zusammensetzten, und die mit Liebe zum Werk die Arbeiten ausführten, sei der herzlichste Dank der ganzen TGW-Familie ausgesprochen. Autor: Otto Stein, 1. Vorsitzender der TGW anno 1959

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